Presse
Christ 0 Review (2006)
von Alexander Des Loges (adl.at)
Lange Zeit war es ruhig um VANDEN PLAS. So richtig in Klausur gingen die
Protagonisten der wichtigsten deutschen Prog Metal Kapelle zwar nicht (wir erinnern uns
mit Freuden an das grossartige Sideproject ABYDOS!), trotzdem war die Sorge gross, ob das
gelungene "Beyond Daylight" nicht möglicherweise bereits der viel zu frühe
Abschied der Band gewesen sein könnte.
Mit "Christ 0" (sprich "Christ Zero") hat die lange Durststrecke nun
endlich ein Ende, und ich kann nicht umhin, es vorwegzunehmen: das Warten hat sich
gelohnt! VANDEN PLAS gelingt mit Nummern, wie "Postcard To God", "Wish You
Were Here" oder "January Sun" eine deutliche Weiterentwicklung. Von Beginn
an präsentiert sich die Band deutlich härter, progressiver, und gleichzeitig aber
eingängiger als je zuvor. Was wie ein Widerspruch in sich klingt, erklärt sich wohl
durch die zahlreichen Theaterengagements der Vergangenheit. Man merkt jedem einzelnen Song
die lange Entstehungsphase deutlich an - ohne Druck und vor allem ohne auf Nummer Sicher
zu gehen, haben VANDEN PLAS zehn Titel aufgenommen, von denen jeder einzelne ein
Höhepunkt in sich ist. Zudem hat sich Andy Kuntz zu einem enorm wandlungsfähigen
Frontmann weiterentwickelt, dessen Stimme einen Wiedererkennungswert hat, von dem manch
andere nur träumen können. Unterstützt wird er vom 40-köpfigen Chor des Pfalztheaters
Kaiserslautern, welcher gezielt für Dramatik und Epik sorgt, aber niemals aufdringlich
wirkt. Im Zusammenhang mit VANDEN PLAS werden immer wieder Vergleiche mit DREAM THEATER
laut, was zum Teil sicher nicht von Ungefähr kommt. Ein hoher Anteil SAVATAGE lässt sich
auf "Christ 0" aber ebensowenig verleugnen. Mit dem Rausschmeisser
"Gehtsemane" vom Musical "Jesus Christ Superstar" setzen die Jungs
schliesslich noch Andrew Llyod Webber ein Denkmal. Spätestens ab hier sollten alle
Repeat-Tasten auf "all" stehen.
VANDEN PLAS bescheren uns mit "Christ 0" ein einmaliges Hörerlebnis, das selbst
meine kühnsten Erwartungen nach ABYDOS noch in den Schatten stellt. Was soll ich hier
noch mehr schreiben... bin begeistert!
Bewertung: 5/5
Alexander Des Loges
adl.at
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