Presse

Interview mit Günter Werno (2006)

von Farah Saghebs (adl.at)

Gleich mal Gratulation zum neuen Album "Christ0". Bei uns Album der Woche, wirklich gelungen!

Schön, danke!

Das Konzept liegt ja dem Roman "Der Graf Von Monte Christo" zugrunde. Mich würde interessieren, wie es zu der Idee gekommen ist, diese Geschichte musikalisch zu interpretieren?

Wir haben ja ziemlich viele Aktivitäten an Theatern gehabt und da lernt man natürlich auch schnell die entsprechenden Leute kennen. Holger Hauer, er ist unter anderem auch Regisseur in Berlin, ist an uns herangetreten und fragte uns, ob wir Lust hätten, die Musik für ein Musical zu schreiben, von dem er das Libretto geschrieben hat, das "Monte Christo" heissen sollte. Das haben wir natürlich sehr interessant gefunden. Mit der Story im Hinterkopf schrieben wir erstmal Szene für Szene ein paar Songs. Gleichzeitig kam das Thema zu einem neuen VANDEN PLAS Album auf, wo wir dann draufgekommen sind, dass viele Stücke gar nicht zur Band passen würden und haben mal aussortiert. Parallel dazu hat Andy die Story etwas adaptiert und hat sie in eine, sagen wir mal: modernere Variante gepackt und die Sichtweise auf den Hauptcharakter auch noch verändert.

Wer hatte denn die Idee, aus "Christo" "Christ 0" zu machen?

Das war Stefan. Die Idee aus dem "o" eine Null zu machen, entstand so, weil ja der Hauptcharakter als Serienverbrecher dargestellt wird. "Christ 0" steht damit für "keinen Chritus, keinen Glauben, gottlos".

Wie viel Zeit haben denn die Arbeiten zu diesem Album in Anspruch genommen?

Die Anfrage von diesem Regisseur kam unmittelbar nach "Beyond Daylight". Wir haben da auch gleich damit begonnen, allerdings hatten wir dazwischen immer wieder Proben für diverse Theaterprojekte, wodurch wir die Arbeit am Album zurückstecken mussten. Andy hat dann mal seine Soloplatte "Abydos" rausgebracht, und wer Andy kennt, weiss, dass er immer alles 100%ig macht. So hatte er natürlich während "Abydos" keinen Kopf, um an den Lyrics des neuen VANDEN PLAS Konzepts weiter zu schreiben, wodurch das ganze erstmal auf Eis lag. Obwohl wir ihn natürlich immer wieder gepusht haben, dass da was weitergeht (lacht). Die Songs waren ja schon da. "Fireroses Dance" zum Beispiel hab ich bereits 1998 komponiert - noch nicht in der endgültigen Version, damals war es noch mehr als eine Pianoballade gedacht. Eine relativ lange Zeitspanne also. Die übrigen Songs sind kurz nach "Beyond Daylight" entstanden.

Man merkt dem Songwriting von "Christ 0" schon einen deutlichen Reifungsprozess an. Gab es besondere Situationen, die das bewirkt haben oder siehst du das eher als natürliche Entwicklung?

Das ist auch ein Entwicklungsprozess. Ich glaube nicht, dass wir früher schlechtere Songs geschrieben haben, aber es hat uns manches Mal einfach noch an Erfahrung gefehlt. Zum Beispiel bei der Orchestrierung merkt man schon ganz deutlich, dass wir bereits mit Orchestern zusammen gearbeitet haben. Dass wir das Orchester also so mit einbinden, dass es ein zusätzliches Instrument zu den Instrumenten einer Band darstellt.

Hast du einen Lieblingstrack auf der neuen CD?

Ich würde sagen, "Postcard To God", da freue ich mich schon daraf, das live zu spielen. Die Nummer kommt schon im Proberaum so geil! Der Titeltrack gefällt mir gut, "Wish You Were Here" ebenfalls. Vor allem aber auch die Ballade, "Fireroses Dance", weil das eben damals schon eine sehr schöne Pianoballade war. Kurz vor dem Studio kam Stefan plötzlich mit diesem LED ZEPPELIN Mittelpart, der mich total umgehauen hat. Schliesslich kam Andy auch noch mit der Choridee - das war übrigens der Chor vom Pfalztheater. Allein vom Entwicklungsprozess her ist diese Nummer schon einzigartig.

Ganz schön krass finde ich ja auch euer Coverartwork. Der Killer, der mit seiner Pistole direkt auf den Betrachter zielt, dahinter die dunklen Gassen von... ist das Vendig?

Das ist Marseille.

OK, Marseille, aber man sieht im Hintergrund Boote, die für mich irgendwie nach Gondeln aussehen...

Ja, man kann das eigentlich auch dorthin projezieren, wo man möchte. Der Phantasie kann da völlig freier Lauf gelassen werden. Wir möchten uns nicht auf einen Ort festlegen. Das Original spielt zwar in Marseille, darf aber natürlich auch in Venedig spielen. Kann auch ein Phantasieort sein, meinetwegen auch in Abydos (lacht).

Ist die Figur am Cover eine Malerei oder ein echter Darsteller?

Der ist echt, so mit Maske und Kleidung. Sogar die Pistole hat sich der Thomas Ewerhardt eigens dafür besorgt.

Wie siehst du persönlich eigentlich den Grafen?

Also unser Graf ist ein Serienkiller, der wohl zu Unrecht 17 Jahre im Kerker gesessen hat. Allerdings muss man dann fragen: hat er das Recht auf Rache? Hat er das Recht andere Leute zu killen? Er verliert halt im Kerker seinen Gottglauben. Wir sehen ihn eigentlich als böse.

Als Bonustrack habt ihr "Gehtsemane" von "Jesus Christ Superstar" auf das Album gepackt. Ihr habt das ja auch glaub ich schon mal live gebracht?

Ja, erst jetzt zu Ostern wieder in Kaiserslautern.

Wie ist euer persönlicher Bezug zu "Jesus Christ Superstar"?

Ohne "JCS" hätten wir vermutlich unsere erste Platte nicht gemacht. 1992 wurden wir in Saarbrücken engagiert, und hatten so - mit Ausnahme von ein paar Konzerten auf dem Land - mit unserer Musik bares Geld verdient. Wir haben dann zusammengelegt und schliesslich so unsere erste Platte finanziert. Das war damals der Schritt von der Amateurband zur Profiband VANDEN PLAS.

"Christ 0" ist ja jetzt schon mal ein echter Höhepunkt eurer Karriere. Was sind jetzt eure nächsten Ziele?

Also zunächst mal, dass wir "Christ 0" auf die Bühne bringen.

Wie darf man sich das vorstellen?

Am besten so, dass die Songs von der Platte das Grundgerüst bilden, und die anderen Songs, die wir da noch geschrieben haben, noch dazukommen werden. Wie das dann genau aussieht, wird sich erst während den Proben entwickeln. Aber so ungefähr könnte das dann schon funktionieren. Wir müssen jetzt nur sehen, dass wir die entsprechenden Leute finden, die das dann mit uns umsetzen. Bei "Abydos" hatten wir ja das Glück, dass wir mit Johannes Reitmeier, dem Intendanten vom Pfalztheater, jemanden gefunden hatten, der das Stück super in Szene gesetzt hat. Ich hatte damals ja die musikalische Leitung, und das war ein super Erfolg. Ist ein ganz geiles Stück geworden.

Wie sieht´s denn mit einem Wien Gastspiel aus?

Wir sollten uns mal den 16. Dezember für Wien vormerken. Wir haben ja gerade aus Österreich viele Fans, da gibt es zum Beispiel so ein Pärchen aus Graz, die schon ein paar Mal bei uns in Kaiserslautern waren. Die bringen auch immer wieder Freunde mit.

Na dann wird´s ja mal Zeit für einen Gegenbesuch. Wir freuen uns auf Dezember! Vielen Dank fürs Gespräch.

Danke Dir, wir sehen uns!

Farah Saghebs

adl.at

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